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Tattoostudio eröffnen: Anmeldung, Hygiene, Farben
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Tattoostudio eröffnen: Anmeldung, Hygiene, Farben

Tattoostudio eröffnen: Gewerbeanzeige nach § 14 GewO, Hygiene-Verordnung und Gesundheitsamt, REACH-Regeln für Tätowierfarben, Ausstattung und Anzahlung.

Stand: 2026-11-03 · Autor: Redaktion Beautinda · Verantwortlich: TODO_CAN · Fachprüfung: Recht und Gesundheit (Hygiene/Infektionsschutz) – TODO_CAN (Fachprüfer in FREIGABEN.md fehlen)

Wer ein Tattoostudio eröffnen will, zeigt den Betrieb nach § 14 GewO bei der zuständigen Behörde an, erfüllt die Hygiene-Verordnung des eigenen Bundeslands und rechnet mit der infektionshygienischen Überwachung durch das Gesundheitsamt nach § 36 Abs. 2 IfSG. Für die Farben gilt seit dem 4. Januar 2022 die EU-weite REACH-Beschränkung für Tätowiermittel. Dazu kommen Rechtsform, Versicherung, Ausstattung und ein Buchungssystem, das lange Sitzungen gegen Terminausfälle absichert.

Welche Anmeldung braucht ein Tattoostudio?

Tätowieren wird in Deutschland als Gewerbe behandelt; so ordnet es auch das Existenzgründungsportal des BMWK ein. Nach § 14 Abs. 1 GewO muss, wer den selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes anfängt, dies der zuständigen Behörde gleichzeitig anzeigen. Das Gleiche gilt laut demselben Paragrafen, wenn du den Betrieb später verlegst, den Gegenstand des Gewerbes wechselst oder den Betrieb aufgibst. In der Praxis ist das Gewerbeamt deiner Stadt oder Gemeinde die Anlaufstelle.

Das Existenzgründungsportal des BMWK beschreibt ein Gewerbe als Tätigkeit, die du auf eigene Rechnung, in eigener Verantwortung, auf Dauer und mit der Absicht ausübst, Gewinn zu erzielen. Dieselbe Antwort nennt als weiteren Punkt die Krankenversicherung: Wer hauptberuflich tätowiert, versichert sich selbst, Ansprechpartner ist die Krankenkasse. Eine Meisterpflicht oder eine vorgeschriebene Ausbildung führt das Portal nicht auf; die Seite trägt den Stand März 2023 und weist darauf hin, dass sich rechtliche Voraussetzungen seither geändert haben können. Kläre deinen Einzelfall deshalb beim Gewerbeamt oder bei der IHK.

Vor der Anzeige entscheidest du, als was du gründest. Für den Start allein ist das Einzelunternehmen der häufigste Weg, mit Partnerin wird es eine GbR, bei höherem Haftungsrisiko kommt eine GmbH in Frage. Die Abwägung steht im Beitrag Rechtsform fürs Studio: Einzelunternehmen, GbR oder GmbH?. Eine Betriebshaftpflichtversicherung gehört in jedem Fall auf deine Liste, denn du arbeitest an der Haut anderer Menschen.

Welche Hygienevorschriften gelten beim Tätowieren?

Checkliste mit sechs Hygienepunkten für ein Tattoostudio nach dem Beispiel der Hygiene-Verordnung NRW
Hygiene am Arbeitsplatz, am Beispiel der Hygiene-Verordnung Nordrhein-Westfalen. · Quelle: Beautinda, eigene Grafik

Die Grundlage steht im Infektionsschutzgesetz. Nach § 36 Abs. 2 IfSG können Einrichtungen und Unternehmen, bei denen durch Tätigkeiten am Menschen durch Blut Krankheitserreger übertragen werden können, durch das Gesundheitsamt infektionshygienisch überwacht werden. Ein Tattoostudio fällt in diese Gruppe, weil die Nadel die Haut durchdringt.

Die Details regeln die Bundesländer in eigenen Hygiene-Verordnungen. Ein Beispiel ist die Hygiene-Verordnung Nordrhein-Westfalen vom 9. Januar 2003, erlassen auf Grundlage von § 17 Abs. 4 IfSG. Sie gilt für berufs- oder gewerbsmäßig ausgeübte Tätigkeiten außerhalb der Heilkunde und nennt das Tätowieren und Piercing ausdrücklich. Ihre wichtigsten Pflichten:

  • Vor jeder Tätigkeit die Hände sorgfältig reinigen, Hände und die zu behandelnde Haut desinfizieren; bei der Arbeit Einmalhandschuhe tragen und für jeden neuen Kunden neue verwenden (§ 2 Abs. 1).
  • Handlungen, die eine Verletzung der Haut oder Schleimhaut vorsehen, nur mit sterilen Geräten vornehmen; sterile Einmalmaterialien nach dem ersten Gebrauch nicht wieder verwenden. Mehrfach verwendbare Geräte für solche Handlungen nach jedem Gebrauch desinfizierend reinigen, mit Heißluft oder Dampf sterilisieren und steril aufbewahren (§ 2 Abs. 2).
  • Geräte, die die Haut nicht verletzen sollen, es aber versehentlich können, nach jedem Gebrauch reinigen und mindestens an jedem Arbeitstag desinfizieren (§ 2 Abs. 3).
  • Der Arbeitsbereich muss so beschaffen sein, dass alle Oberflächen leicht zu reinigen und zu desinfizieren sind; Arbeitsflächen mindestens an jedem Arbeitstag gründlich reinigen und desinfizieren (§ 2 Abs. 4 und 5).
  • Für Hände, Haut, Instrumente und Flächen nur Desinfektionsmittel und Verfahren aus der DGHM-Liste oder der RKI-Liste einsetzen (§ 3).
  • Instrumente vor der Sterilisation desinfizieren und reinigen; Sterilisatoren halbjährlich und nach Reparaturen mit Bioindikatoren auf ihre Wirksamkeit prüfen (§ 4).
  • Verletzungsgefährliche Gegenstände wie Nadeln nur in einer Verpackung in den Abfall geben, die eine Verletzungsgefahr ausschließt (§ 5).

Die Überwachung liegt in NRW bei den unteren Gesundheitsbehörden (§ 6). Eine Anzeigepflicht beim Gesundheitsamt steht in dieser Verordnung nicht; andere Länder können das anders regeln, und viele Gesundheitsämter bieten Merkblätter und eine Beratung vor der Eröffnung an. Ruf dort an, bevor du den Mietvertrag unterschreibst. So erfährst du, welche Verordnung in deinem Land gilt und was das Amt bei einer Begehung sehen will. Was ein Hygieneplan enthält und wie du Reinigung und Desinfektion dokumentierst, liest du im Beitrag Hygiene im Beauty-Studio: Pflichten, Checklisten und Best Practices.

Was muss ich über Tätowierfarben wissen?

Tätowiermittel sind in der EU chemikalienrechtlich geregelt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) fasst den Stand in seinen Fragen und Antworten zusammen (Stand 06.05.2025): Seit dem 4. Januar 2022 gilt die Beschränkung in Eintrag 75 des Anhangs XVII der REACH-Verordnung. Für die Pigmente Blau 15:3 und Grün 7 galt eine Übergangsfrist bis zum 4. Januar 2023. In Deutschland sind Tätowiermittel zusätzlich seit 2009 über die Tätowiermittel-Verordnung geregelt.

Für dich als Studioinhaberin heißt das: Der Hersteller ist laut BfR primär für die Sicherheit der Mittel verantwortlich. Du kaufst deshalb nur Farben mit vollständiger Deklaration der Inhaltsstoffe. Nickel als Inhaltsstoff ist über die REACH-Beschränkung verboten; kommt es unterhalb des Grenzwerts in der Farbe vor, muss das Gemisch den Hinweis „Enthält Nickel. Kann allergische Reaktionen hervorrufen“ tragen. Nickel ist laut BfR das Kontaktallergen mit der höchsten Sensibilisierungsrate. Zum Verdünnen der Farben empfiehlt das BfR ausschließlich steriles Wasser. Das BfR nennt außerdem die Norm DIN EN 17169, die dem Schutz von Kundinnen und Tätowierern vor Infektionen dienen soll; sie ist nicht verbindlich, es lohnt sich aber, sie im Studio umzusetzen.

Für Permanent Make-up gelten dieselben REACH-Regeln, die berufliche Einordnung unterscheidet sich aber je nach Land. Die Unterschiede für Deutschland, Österreich und die Schweiz stehen im Beitrag Kosmetische Tattoos und PMU: Richtlinien in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Wie kläre ich Kundinnen auf und was dokumentiere ich?

Das BfR listet als mögliche akute Folgen einer Tätowierung Infektionen, Fremdkörperreaktionen, Narben und allergische Reaktionen auf. Infektionen können laut BfR bei nicht sterilen Geräten oder kontaminierter Tinte auftreten. Deine Kundin sollte diese Risiken kennen, bevor sie sich entscheidet. Ein Aufklärungsbogen mit Unterschrift hält fest, worüber du gesprochen hast, welche Farbe mit welcher Chargennummer du verwendet hast und welche Pflegehinweise die Kundin bekommen hat.

Diese Unterlagen gehören zur Kundenakte, zusammen mit dem Motiv, der Vorlage und Fotos vom Ergebnis. Ob und ab welchem Alter du Minderjährige tätowieren darfst, klärst du mit einer rechtlichen Beratung oder dem Gesundheitsamt; dieser Beitrag trifft dazu keine Aussage. Bei Beautinda kannst du Formulare und Verträge im VIP-Tarif digital unterschreiben lassen, per Link oder am Tablet, die PDF landet im Kundenprofil.

Was gehört zur Ausstattung und was kostet sie?

Die Hygiene-Verordnung gibt die Ausstattung in weiten Teilen vor. Deine Kostenplanung orientiert sich deshalb an diesen Posten:

PostenWorauf es ankommt
ArbeitsplatzLiege oder Stuhl, Arbeitswagen und Oberflächen, die sich leicht reinigen und desinfizieren lassen
Maschinen und NetzteileRotary oder Spulenmaschine, Ersatzgeräte für Ausfälle
SterilisationDampfsterilisator (Autoklav) mit Prüfung per Bioindikator, Ultraschallbad zur Reinigung, Siegelgerät
EinwegmaterialNadeln, Griffstücke, Farbkappen, Handschuhe, Abdeckfolien, Barrierefilm
DesinfektionGeeignete Mittel für Hände, Haut, Instrumente und Flächen, Spender am Arbeitsplatz
EntsorgungDurchstichsichere Behälter für Nadeln, Vertrag für die Abholung
SoftwareOnline-Buchung, Kalender, Kundenakte, Kasse

Konkrete Preise hängen von Qualität, Anbieter und Studiogröße ab und ändern sich; verlässliche Zahlen bekommst du nur über Angebote. Plane Reserven für Verbrauchsmaterial über die ersten Monate ein, denn Nadeln, Farbkappen und Handschuhe sind laufende Kosten, keine Anschaffung.

Studio oder mobil: Was ist der Unterschied?

Das Existenzgründungsportal des BMWK beantwortet die Frage nach dem mobilen Tattoostudio ausdrücklich: Die Anzeigepflicht nach § 14 GewO gilt laut Portal auch für ein mobiles Gewerbe (Reisegewerbe), Ansprechpartner ist das zuständige Gewerbeamt. Welche Form der Anmeldung dein Angebot genau braucht, klärst du vor dem Start dort.

Die Hygienevorgaben nehmen auf den Ort keine Rücksicht. Sterile Geräte, Einmalhandschuhe je Kunde, desinfizierbare Flächen und die vorschriftsgemäße Entsorgung der Nadeln musst du auch beim Kunden zu Hause einhalten, und du kannst dort weniger kontrollieren als im eigenen Raum. Viele Tätowiererinnen starten deshalb mit einem Platz in einem bestehenden Studio und ziehen erst später in eigene Räume.

Wie sichere ich Termine ab und finde erste Kundinnen?

Beautinda-App mit aktivierter Anzahlung bei der Online-Terminbuchung
Anzahlung bei der Buchung (Beautinda, Pro-Tarif): Termine werden verbindlicher, Ausfälle seltener. · Quelle: Beautinda, eigenes Material

Eine Tattoo-Sitzung dauert oft mehrere Stunden. Bleibt die Kundin weg, verlierst du nicht einen Slot, sondern einen halben Tag. Drei Regeln helfen: Termine werden online mit festen Zeiten gebucht, bei der Buchung wird eine Anzahlung fällig, und die Stornofrist steht für beide Seiten sichtbar in den Buchungsbedingungen. Wie du die Anzahlung so einrichtest, dass sie fair und nachvollziehbar bleibt, steht im Beitrag Anzahlung bei der Terminbuchung: No-Shows rechtssicher senken.

Bei Beautinda sind Online-Buchung rund um die Uhr und der Kalender im Free-Tarif enthalten. Anzahlung oder Vorauszahlung und automatische Terminerinnerungen gehören zum Pro-Tarif, Stornofristen legst du in den Buchungseinstellungen fest, das Kassensystem mit Kartenzahlung zum VIP-Tarif (TSE als Zusatz-Abo). Bleibt eine Kundin trotz Erinnerung ohne Absage weg, hilft der Beitrag Ausfallhonorar bei No-Shows: rechtssicher vereinbaren bei der Frage, was du berechnen darfst.

Deine ersten Kundinnen kommen über dein Portfolio. Ein Instagram-Profil mit abgeheilten Arbeiten, klaren Stilangaben und dem Buchungslink in der Bio ersetzt am Anfang die Website. Ein Google-Unternehmensprofil mit Adresse, Öffnungszeiten, Fotos und Buchungslink sorgt dafür, dass dich Menschen finden, die in deiner Stadt nach einem Studio suchen.

Checkliste für den Start

  1. Rechtsform wählen und Gewerbe nach § 14 GewO beim Gewerbeamt anzeigen; bei mobilem Angebot die Form der Anmeldung dort klären.
  2. Gesundheitsamt kontaktieren: geltende Hygiene-Verordnung, Merkblätter, Ablauf einer Begehung.
  3. Räume nach den Hygieneanforderungen einrichten: desinfizierbare Oberflächen, Sterilisator mit Prüfung, Entsorgung.
  4. Hygieneplan schreiben, Reinigung, Desinfektion und Sterilisator-Prüfungen dokumentieren.
  5. Nur Tätowiermittel mit vollständiger Kennzeichnung kaufen, Chargen je Kundin notieren.
  6. Aufklärungsbogen, Einwilligung und Pflegehinweise vorbereiten; Betriebshaftpflicht und Krankenversicherung abschließen.
  7. Online-Buchung mit Anzahlung und Stornofrist einrichten, Portfolio und Google-Unternehmensprofil anlegen.

Quellen

Quellen, geprüft am 03.11.2026:

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